Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Landrat Sebastian Gruber, sowie der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz und Chamer Landrat Franz Löffler haben dem Gesundheitsminister ein Konzept für eine Pilotstudie im Grenzraum vorgestellt. Das Pilotmodell „Sichere Schulen im ländlichen Raum“ ist eine Initiative des Bezirks Niederbayern, gemeinsam mit dem Kinder- und Familiengesundheitsnetzwerk Ostbayern, dem Landkreis Cham und den Grenzlandkreisen Freyung-Grafenau, Regen und Passau. Das Konzept wurde mit wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. med. Matthias Keller (Ärztlicher Direktor Kinderklinik Dritter Orden Passau) sowie in Abstimmung mit Prof. Dr. med. Michael Kabesch (Klinikleiter Pädiatrische Pneumologie und Allergologe, Barmherzige Brüder St. Hedwig Regensburg) erstellt.
Der gemeinsame Vorschlag lautet: Mit einem ausgefeilten Konzept, u.a. den sog. „Pool-Testungen“ aller Schülerinnen und Schüler kann eine Schulöffnung in zwei grenznahen Pilotregionen (Niederbayern und Oberpfalz) zeitnah und trotz hoher Inzidenz erfolgen. Darüber hinaus ist der gezielte Einsatz der zusätzlichen Impfdosen für den Bereich Schulpersonal vorgesehen. Die ersten, zusätzlichen Zuweisungen werden schon aktuell dazu genutzt, Lehrerinnen und Lehrer ein Impf-Angebot zu unterbreiten, was das Infektionsrisiko an den Schulen zusätzlich erheblich senken wird.
Sowohl Gesundheitsminister Klaus Holetschek als auch Kultusminister Prof. Michael Piazolo stehen den Vorschlägen aufgeschlossen gegenüber. „Ein derartiges Pilotvorhaben wäre in mehrfacher Hinsicht ein großer Gewinn“, so Landrat Sebastian Gruber.
„Damit bringt die die Bayerische Staatsregierung zum Ausdruck, dass sie die Nöte der Schülerinnen und Schüler, die seit Monaten in Distanzunterricht sind, kennt und auch die Probleme der Eltern, die die Betreuung der Schüler zuhause stemmen müssen, ernst nimmt. Durch bestehende, seit Jahren erprobte Netzwerke vor Ort können die beiden Chefärzte und Professoren Keller und Kabisch sicherstellen, dass - über den Testungen und Impfungen hinaus - eine breitgefächerte leistungsvolle Aufklärungskampagne für Schüler, Eltern und Lehrer stattfindet“, so Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. Die beiden Professoren können weiterhin bereits vorbereitete „Pool-Testungen“ durchführen und damit sicherstellen, dass alle Beteiligten an der Schule eine zusätzliche Sicherheit bekommen.
Sollte das erwartete Ergebnis erzielt werden und eine sicherer Öffnung der Schulen gelingen, wäre das Vorgehen in kurzer Zeit bayernweit anwendbar und auch ein Vorbild für weitere Regionen mit erhöhtem Infektionsgeschehen. Es ist dabei aber natürlich nicht auszuschließen, dass bei erhöhtem Infektionsgeschehen einzelne Klassen in Quarantäne gehen müssen. Das wäre dann aber lokal an einzelnen Schulen bzw. Schulstandorten, aber nicht im gesamten Landkreis.
„Ziel muss es sein, dass der Präsenzunterricht die Regel ist und der Wechsel- ggf. Distanzunterricht bei lokal nennenswertem Infektionsgeschehen die Ausnahme“, unterstreicht Landrat Gruber.
Das Ziel des Pilotmodells ist die schnellstmögliche Einführung eines Gesamtkonzeptes zur Sicherstellung eines regelhaften und planbaren Schulbetriebs sowie des individuellen Gesundheitsschutzes und der Pandemiekontrolle in bestimmten Regionen Niederbayerns und der Oberpfalz. Der genaue räumliche Umgriff der Pilotstudie hängt von bestimmten Faktoren ab, u.a. von verfügbaren Testkapazitäten und den gewählten Testverfahren. In Niederbayern hierfür vorgesehen sind in erster Linie die Grenzlandkreise Freyung-Grafenau, Regen und Passau.
Geht es nach Kultusminister Piazolo, könnte in der Woche vor den Osterferien ein Pilotversuch in einem oder in mehreren ostbayerischen Landkreisen starten. Und je nach Entwicklung der Corona-Zahlen könnte das Modell nach den Ferien dann ausgeweitet werden. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir über die Methode des intensiven Testens auch bei Sieben-Tage-Inzidenzen über 100 mindestens die Grundschulen wieder öffnen können", sagte Piazolo am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in München. Derzeit ist in Landkreisen und kreisfreien Städten mit Inzidenzen über 100 lediglich Distanzunterricht möglich. Bei seinem Vorschlag denkt Piazolo in jedem Fall an regelmäßige Tests zweimal pro Woche, lässt die genaue Art und Abfolge der Test aber noch offen, berichtet die PNP-online heute.
„Wir wollen unsere Schulen nicht einfach blind öffnen, sondern sehen uns durch die Aussagen der beteiligten Mediziner dazu ermutigt, mit wissenschaftlicher Begleitung auch bei einer höheren Inzidenz den Unterrichtsbetrieb wieder in Präsenz zuzulassen“, so die beiden niederbayerischen Vertreter Dr. Olaf Heinrich und Sebastian Gruber.